Also der Reihe nach:
Als Besitzer eines LIDL-DB-Tickets wollte er dieses natürlich für die Fahrt nutzen und hat sich für den ICE online einen Platz reserviert, ohne daran zu denken, das das verbilligte Ticket natürlich freitags nicht gilt. Was verlangt man auch von einem Jungspund.
Nun, er richtet sich nach dem Einstieg in Berlin Hauptbahnhof auf seinem Platz ein und freut sich über die nette Mitreisende neben ihm, bis ihm noch rechtzeitig vor Erreichen des nächsten Halts in Berlin-Spandau einfällt, dass er ja mit dem Ticket nicht fahren kann.
Nun wusste er auch nicht, dass man im Zug mit Kreditkarte zahlen kann (Bargeld hatte er nicht, um sich eine Karte zu kaufen) und verließ den Zug, um zunächst am Geldautomaten Bares zu holen und dann die Fahrkarte am Schalter zu erstehen, was so zügig ging, dass er rechtzeitig auf dem Bahnsteig stand, um mit dem nächsten Zug (20 Minuten später) über Wolfsburg statt Braunschweig zu fahren. Der Zug kam fast auf die Minute, aber nur bis zur Einfahrt in den Bahnhof, weil das Einfahrtssignal defekt war oder ein Fehler im elektronischen Stellwerk vorlag. Egal, jedenfalls fuhr der Zug dann erst 30 Minuten später als laut Fahrplan vorgesehen ab.
Nun kann ja ein ICE bei Schnee und Eis nicht immer die normale Hoch-Geschwindigkeit erreichen und musste wegen seiner Verspätung auch hinter einem langsamen Regionalexpress hinterherzotteln, bis der endlich ausweichen und den ICE vorbeilassen konnte. Also Ankunft in Wolfsburg mit 45 Minuten Verspätung. Der Anschluss-Regionalexpress nach Bad Harzburg war natürlich weg...
Also zurück nach Braunschweig auf Rat von Rotkäppchen in Wolfsburg. Der Zug aus Basel kam natürlich auch mit 10 Minuten Verspätung an und war rappelvoll, so dass der Zugbegleiter nicht durch die Wagen gehen konnte, um Fahrplanauskünfte zu geben. In Braunschweig entdeckte mein Sohn dann aber eine Regionalbahn nach Goslar auf einem andern Gleis als im Fahrplanaushang angegeben. Er wollte ja aber nach Bad Harzburg und es gibt auch von Braunschweig eine direkte Regionalbahn dorthin, während man in Goslar erst erneut umsteigen muss. Nun, manchmal ist man ja auf Umwegen schneller als auf direktem Weg.
Zum Glück bestieg gerade der Triebwagenführer den Zug und der konnte über seine Palm herausfinden, dass sein Zug in Vienenburg Anschluss an einen Zug nach Bad Harzburg (20 Minuten Wartezeit beim Umsteigen) hat.
Alles in allem war mein Sohn dann mit über einer Stunde Verspätung in Bad Harzburg und da steht dem Fahrgast ja eine Erstattung von 25% des Fahrpreises zu (siehe hierzu u.a eine Bericht im Stern unter
http://www.stern.de/reise/deutschland/f ... 34137.html
Man muss also einen Erstattungsantrag ausfüllen und sich die Verspätung bestätigen lassen. Also nichts wie in den noch geöffneten DB-Store im Bahnhof von Bad Harzburg. Aber das Rotkäppchen dort verkauft zwar Fahrkarten und andere DB-Artikel, aber eine Verspätung kann es nicht bestätigen, denn es ist kein DB-Servicepoint. Das Zugpersonal kann auch immer nur Verspätungen des eigenen Zuges bestätigen, nicht aber Verspätungen anderer Züge, die man benutzt hat.
Hier der Auszug aus den Fahrgastrechten nachzulesen unter
http://www.bahn.de/p/view/service/fahrg ... gung.shtml
Die Bestätigung Ihrer Verspätung erhalten Sie entweder durch das Servicepersonal des verspäteten Zuges oder am DB Service Point bis fünf Tage nach der Reise, sofern die Verspätung aufgrund der dort vorliegenden Informationen nachvollzogen werden kann. Bitte beachten Sie hierbei, dass das Servicepersonal im Zug ausschließlich Verspätungen des eigenen Zuges ab 60 Minuten auf dem Fahrgastrechte-Formular bestätigen kann.
Haben Sie im Zug oder am DB Service Point die Bestätigung der Verspätung auf dem Fahrgastrechte-Formular erhalten, dann tragen Sie bitte die benötigten Daten zu Ihrer Bahnreise in das Fahrgastrechte-Formular ein und bestätigen diese mit Ihrer Unterschrift. Wenn Sie das ausgefüllte Fahrgastrechte-Formular mit der Bestätigung Ihrer Verspätung und Ihre Originalfahrkarte (ausgenommen Zeitfahrkarten und Autozug) in einem DB Reisezentrum oder einer DB Agentur abgeben, erhalten Sie sofort Ihre Entschädigung als Gutschein oder Geldbetrag.
Das Erstattungsformular gab es im DB-Store natürlich auch nicht
Na gut. Er war nicht allein in Bad Harzburg, sondern mit der Familie seines Patenkindes, die mit dem Auto vorausgefahren waren und ihn vom Bahnhof auf Handyanruf abholten. Schnee lag im Oberharz noch genug, um mit Kind und Kegel zu rodeln und Ski zu laufen. Rodeln war allerdings nicht so gut, weil die Kufen im angetauten Schnee sich eingruben und die Fahrt bremsten. In der Loipe war der Schneezustand aber gut, um nicht zuviel Fahrt aufzunehmen, denn eines der Kinder wurde vom Vater in einem Tragegestell auf dem Rücken mitgenommen.
Am Sonntag ging dann das DB-Vergnügen weiter....diesmal mit LIDL-Ticket, in dem mein Sohn Datum und Reiseverlauf abgeändert hatte. Daran störte sich auch kein Zugbegleiter, weil keiner auf der gesamten Strecke nach Berlin die Karten kontrollierte. So ein Pech aber auch, da hätte man das LIDL-Ticket auch für eine spätere Fahrt nutzen können
Mit 20 Minuten Verspätung in Berlin-Hauptbahnhof angekommen also das DB-Reisezentrum gesucht, um das im Zug erhaltene und ausgefüllte Erstattungsformular vorzulegen und sich die 25% erstatten zu lassen. Nach nur 10 Minuten Wartezeit sagt Rotkäppchen, dass die Verspätung erst im Service-Point bestätigt werden müsse, weil man keinen Zugang zur Datenbank mit den Zugverspätungen habe. Der Service-Point liegt nur eine Etage tiefer als das Reisezentrum. Und es waren auch nur vier Reisende drin, um irgendeinen Service zu nutzen, der dort geboten wird. Die Bestätigung der Verspätung ist dann das Aufkleben eines Barcode-Etiketts auf das Formular, mit dem dann das Geld im Reisezentrum bar auf die Kralle bekommt. Man kann natürlich das Formular auch in einen Kasten einwerfen und sich den Betrag überweisen lassen, was aber bestimmt seine Zeit dauert.
Thank you for travelling with Deutsche Bahn
